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Netzwerk   Dieser Titel fasst inzwischen neun verschiedene, abendfüllende Programme zusam-                                                        men, in denen Rolf Gildenast solo oder mit anderen Künstlern unterschiedlichster                                                             Couleur versucht, immer neue Netze zwischen Tanz, Wort und Klang zu knüpfen und                                                      auf immer neue Weise die künstlerischen Sparten und Grenzen zu überschreiten.

Die bisherigen neun Netzwerke sind allesamt Eigeninszenierungen und nur 'Ich war Hagen' greift auf                               eine 'klassische' Textvorlage zurück; das Nibelungenlied, umgewandelt in einen Monolog. Dennoch                                tauchen auch in den anderen Stücken immer wieder Rückgriffe auf 'Bekanntes' auf, sei es in den                                   Gedichtcollagen oder (rock)musikalisch in 'Aus dem Nichts', sei es der 'gute' Goethe in 'Durch                                      Wachsen' oder Marcel Marceau in 'Das Kind das fiel'.

Kernpunkt dieser zum Teil recht freien Anleihen sind jedoch stets menschliche Grundfragen: Das ewige Hin und Her der Liebe, der Macht, der Träume und Sehnsüchte, der Hoffnungen und Enttäuschungen, und dem Sinnen nach dem Sinn.

Wer einen ausgebildeten Balletttänzer erwartet, wird mit einem "großartigen Pantomimen" (Nordsee-Zeitung) konfrontiert, wer Schauspiel vermutet oder einen "Faustrezitator, alles gelang ihm spielerisch" (Westdeutsche Zeitung), sieht sich seinen eigenwilligen Gedichten und Gedichtinterpretationen gegenüber. "Assoziativ, Intuitiv." (Neue Rhein/Ruhr Zeitung).

"Kein Solotänzer einer deutschen Ballettcompanie dürfte so interdisziplinär arbeiten wie der Gelsenkirchener Rolf Gildenast. Vieldeutig ist der Titel, verblüffend das Konzept des achtteiligen Zyklus' "Netzwerk"... Gildenast mischt Tanz,    Pantomime, Literatur, Musik, Rezitation und Interaktion zu einer eigenwilligen Handschrift. Es handelt sich um Hör-bilder  und Seh-Szenarien. Seine Stücke sind sinnlich-geistige Abenteuer. " (Westdeutsche Allgemeine Zeitung)

Im Folgenden finden Sie ein Übersicht, 'kluge Worte' von anderen Leuten und alles, dessen es einer Aufführung bedarf,      sind ca 6x6m freie Fläche sowie ein Honorar von... - nachfragen kostet nichts.

Gedichte wo man selten sieht                   Rolf Gildenast spricht, spielt, singt und tanzt Ge- dichte aus zwei Jahrtau- senden (von Catull über Villon, Goethe bis Benn und H. Müller) und zeigt, dass Menschen und Di- chter zu allen Zeiten die- selben Sorgen und Ängs- te, Hoffnungen und Wün- sche gehabt haben und auch Freude und Späße nie zu kurz kamen.

Das Kind das fiel         In diesen zwei tänze- risch - pantomimischen Geschichten nimmt die Stille einen großen Raum ein und lässt damit den Körper um so mehr spre- chen : Zum einen in der grotesken, erheiternden Parabel "Vom Bauer und den Göttern", zum ande- ren in "Das Kind das fiel", einem poetischen, asso- ziativen Bilderreigen über den Traum vom Fliegen.

Kinderseelenstücke       In dieser getanzten Lesung wandeln zwei Künstler und zwei Kinder auf den Spuren der Kindheit und auf denen, die sie hintellassen hat.   Rolf Gildenast und der Schriftsteller Jürgen Schimanek lassen Akteu- re dreier Generationen gleichberechtigt neben- einander stehen und offenbaren so Träume und Wunden der Kindheit.

Ich war Hagen               Rolf Gildenast erzählt das Nibelungenlied im Duett mit einer Metallplatte und stellt sie Sage aus der Per- spektive dessen dar, der alles von Anfang bis Ende miterlebte und fast immer die  Fäden in der Hand hielt. Hagens Resümee aus "Siegfrieds Leben und Tod" sowie "Kriemhilds Rache" lautet denn auch : zu grausam, um nicht wahr zu sein.

Carmen                         "What's love got             to do with it ?"                   Neben Zitaten aus            Oper und Novelle       stellt Gildenast mit demPercussionisten Hans Kanty  ein       'Tanz-Musik-Schau- Spiel-Spektakel rund         um die Liebe' auf die Bühne, samt Einführung und Nachesprechung - eine ungewöhnliche Version des Klassikers.   

         Zum Verrecken             Rolf Gildenast                  tanzt zu Gedich-             ten von Villon,                  Rimbaud, Wede-              kind, Brecht und                K.Wecker über                 das Leben derer,             die unfreiwillig                  und zu oft in die Sch... treten - und macht sicht- und spürbar, wie denen zumute ist, die nicht mit einem blauen Auge davonkommen.

Götter, Gräber & Gewehre                       Im Sinne von Kurt Tucholskys "Moralmuni- tionär" bringt Gildenast in dieser Satireshow gesell- schaftliche Entwicklun- gen, menschliche Erfah- rungen, Fortgläubigkeit, Rassismus, Putzfimmel und andere Marotten auf den Punkt. Quasi ein Tanz auf dem bissigen Wort. Kabarett mal nicht nur 'aus dem Stand'.

Aus dem Nichts             "Nur die Improvisation hält Performer und Publikum gleichermaßen im Fege- feuer der Bühne." (Hel- mut Ploebst). Rolf Gilden- ast und der Rockgitarrist rist Günther Holtmann begeben sich auf die Rei- se zu eben diesem "Au- genblick im Theater, der suggeriert, das alles neu beginnen könnte." Und das in drei verschie- denen 'Sessions'.

Xylos & Petros                 Auf der Bühne begegnen sich auf tanz-theatralische Weise der Holzschneider und Lyriker Heinz Stein und der Tänzer und Lyriker Rolf Gildenast. Aus- gangspunkt ist das Dichterwerk Heinz Steins "es wäre noch viel zu sagen", den Treffpunkt aber bildet dessen Aphorismus "ich will nicht alles, sondern mehr". 

Durch Wachsen           In dieser Autorenlesung der besonderen Art prä- sentiert Rolf Gildenast eigene Gedichte und Ge- schichten. Auf gewohnt ungewöhnliche Art macht er Geschriebenes hörbar, sehbar, fühlbar. Er läßt sich Gedichte aus der Hand lesen, stellt Ge- danken dar und... bindet den Zuschauer in ein Gespräch über "Ich und die Welt" ein.

Tänzer_einer Ausstellung                 Zu, um, durch, mit, auf etc. den Holztorsi von Bernd Mauß und den Ob- jekten von Marion Mauß tanzt Rolf Gildenast.Holz, Stahl,Stoff, Acryl, Pappe, Wurzeln, Plastik, Haut, Haare, Farbe, Formen der bildenden Kunst we- den in Körpersprache und Bewegung einge- bunden ...panta rei - alles ist im Fluss.

Nizami                       Die Geschichte von der unerfüllten Liebe Dr. Ursula Heindrichs liest, Rolf Gildenast tanzt und Heinz-Albert Hein- drichs begleitet die Erzählung des per- sischen Dichters (12.Jh.) musikalisch.                Ein sinnlicher Ausflug in die Erzählwelt des Ori- ents mit erstaunlichen Paralleln zur Gefühlswelt des Heute.

Kontaktadresse                                                                   [Foto : Pedro Malinowski]

                                                                 Da wird die Welt zur Bühne 

Rolf Gildenast interpretiert Gedichte nicht nur, er stellt sie auf den Kopf. Lyrik getanzt, gestöhnt, gehöhnt                                              und doch wieder nur befreit vom üblichen wahren Schönen, Behäbigen. Er öffnet mit seinen Gedichten                                               einen ganzen Imaginationsraum, wo sich die Verse einnisten, verdrehen und wieder herausspringen.

Der Anfang in Rüschenhemd und Frack, die Merseburger Zaubersprüche im  Kopfstand vorgetragen, da-                                            nach "Burning down a house", frei nach den Talking Heads. Größer könnte der Kontrast nicht sein. Und                                               doch:Gildenast zeigt Bezüge auf, wo wir keine vermuteten, bricht mit gängigen Sehgewohnheiten, mit Vor-                                         stellungsmustern. Das "Habanera" aus der Oper Carmen zusammen mit Versen von Catull und Villon,                                               Walter Mehring und Heiner Müller : Lasst uns leben, lasst uns lieben. Gildenast küsst den Boden, schnüffelt an ihm wie am Leib einer Frau. Die Liebe ist ein wilder Vogel, ist animalisch und dann wieder geziert. Gildenasts Performance ist irritierend, aber immer wieder  fesselnd. Denn der Solotänzer, selbst Lyriker aus Passion, nimmt den Zuschauer mit auf die Reise in feme Länder und Zeiten. Noch einmal wird die blaue Blume der Romantik gepflückt, noch einmal der bittere Nachgeschmack des "Nimmerwieder" goutiert. Der Aufbruch der Jugend endet schließlich doch in den ewig-gleichen Bahnen der Erwachsenen.

In der Pause kann man sich dann nicht nur ver-, sondern entsorgen. Keine Tabus mehr, nirgends. Das Leben ist kinderleicht,       eigentlich. Fröhlich zeigt Gildenast dem Publikumdie lange Nase, spricht Kinderauszählreime, schreibt auf dieTafel, radiert alles wieder aus und will doch nur wissen : "Was ist das für eine Welt ?" Das mag man wohl fragen, wenn es um Deutschland, ein       Wendemärchen, geht. "Deutschland was my first Love" singt der Popstar zu Beginn noch ganz fröhlich, bis er sich mit Morgen- stern und ViIIon die Schlinge um den Hals legt. Aber das "Kommen" schreit, nach "Erlkönig" und "Hamletmaschine" wartet schon "Die Meeresbrandung". Ein Sturm, der Mensch treibt einsam auf seinem Floß dahin, dann Stille, die Schwermut übernimmt das Ruder.

Bei Gildenast  wird man buchstäblich mit hineingerissen, fühlt sich persönlich angegangen. Und betrachtet mit staunenden Au-   gen wie wenig Requisiten im Grunde nötig sind, um die Welt zur Bühne zu machen. Ein Tisch, eine leere Weinflasche, der Bo-     den, die Wand; Rolf Gildenast spielt auf ihnen wie ein Pianist auf der Klaviatur, setzt Lyrik lebendig in Szene. Am Ende dann : Schweigen. Und ein Rülpser wie nach einem guten Essen. Ein ungewöhnlicher Theaternachmittag, der erfreulich viele Zuschau- er fand. Ein großartiges Seh- und Hörerlebnis.                                                                        (Westfälische Rundschau vom 8.2.2000)

                                               Geschichten in der Sprache des Körpers                                                                                                                                                 Intensive Szenen mit Rolf Gildenast

Der auch als Sänger und Schauspieler, Poet und Theaterpädagoge tätige Gildenast zeigte ein zweiteiliges                                        Soloprogramm von starker bildlicher Intensität.

In der Tanzburleske "Vom Bauer und den Göttern" stellt er in großen, aufrechten Gesten die Wesen dar,                                            die irgendwo in unerreichbarer Höhe über dem niederen Volk ihrem dekadent kultivierten Dasein f rönen.                                          Herablassend amüsiert schauen sie auf diejenigen hinunter, die, durch schwere körperliche  Arbeit ge-                                            krümmt, buchstäblich erdgebunden, am Boden verhaftet sind. Das Beziehungs- und Abhängigkeitsverhält-                                        nis zwischen denen da oben und denen da unten - mystisch oder gesellschaftlich real vorstellbar - löst sich bei Gildenast auf,    wenn der Bauer nach der Ernte zumindest kurzzeitig auch zum fröhlichen Genießer wird.

In der Bilderfolge mit dem irritierenden Titel "Das Kind, das fiel" suggeriert Gildenast den Hergang und die Verarbeitung eines    tragischen Geschicks: den märchenhaften, jedoch mit einem tödlichen Sturz endenden Flug eines Kindes mit ein- em Ballon.   Im Stile von Rückblenden verdeutlicht der Tänzer, wie der erschrockene Ballonverkäufer und die trauernden Eltern diesen             "Unfall" noch einmal durchleben. Er beschreibt aber auch das unglaubliche Glücksgefühl eines Kindes, das plötzlich schweben, fliegen und in der Luft spielen kann, bis der Schrecken des Falls in die Tiefe einsetzt. Vielleicht ist dies auch nur das Ergebnis     einer Kette von Assoziationen oder Traumbildern, die beim Zuschauer ausgelöst werden.

Gildenasts Körperhaltung typisiert die Figuren seiner Geschichten eindeutig; Körpersprache und Körperbeherrschung drücken  Gefühlszustände und Handlungsabläufe aus, ohne dem Betrachter die Freiheit individueller Interpretationen zu nehmen. Die       Übergänge und Wechsel zwischen Mühsal und Lust, zwischen Freude und Schmerz sind fließend. Neben seinem tänzerischen und mimischen Können setzt Gildenast nur wenige Geräusche (Stimme und Tonband) zur Akzentuierung seiner Erzählweise      ein. Die Aufnahmefähigkeit der Zuschauer ist so auf den Darstellenden konzentriert, und Stille wird ein zusätzliches Spannungs- element - eine seltene Erfahrung.                                                                                                                                                                                                                                                                                                                              (Norbert Duwe, Nordsee Zeitung vom 4.3.1999)

                         "Eine kleine Äquatorparade rund um die deutsche Seele"

"Wismut und Benzol tun den Kindern wohl", rezitiert der Mann mit der regenbogenbunten Schirmkappe,                                               umtanzt von einer weißbehemdeten Figur. Poesie in Form von Kinderreimen zum Lobe von Schwermetal-                                          len in Nahrung und Luft trug Jürgen Schimanek im Rahmen einer ungewöhnlichen Autorenlesung vor, die                                         der Heinrinch-von-Veldeke Kreis in der Wasserburg Rindern präsentierte.

Den tänzerischen Gegenpart, der die betrogene UnschuId verkörperte, bestritt Pedro Malinowski, Solist                                              am Schillertheater NRW. Der erste Teil des Programms umfaßte neben diesem düsteren, dem ver-                                                    schmutzten "Ruhrpott" gewidmeten Part,eine leichtfüßige Choreografie, die spielende und tobende Eltern                                          und Kinder zeigte. Die Tänzer Rolf Gildenast und Pedro Malinwoski bildeten aus ihren Körpern Gerüste, in denen ihre Kinder      herumklettern konnten, oder schufen Brücken über imaginäres Wasser: Vertrauen als Basis im Verhältnis zwischen Kindern       und Eltern, so ließe sich der Tanz interpretieren.

Das alles wurde zum Vorspiel für "Eine kleine Äquatorparade rund um die deutsche Seele", eine Lesung von phantastisch Prosatexten, die einmal eine deutsche Kindheit in Westfalen, einmal die Reise eines Westfalen rundum den Äquator reflektier- ten. Recht verrückt aufgemacht saß Schimanek auf einem Drahtstuhl mit Strohfüllung und las im Wechsel Episoden, die die       Traumata der Sauberkeits- und Gehorsamkeitserziehung in Erinnerung brachten, oder abstruse Erlebnisse des kindheitsge-     schädigten Erwachsenen auf seinen langen Reisen in tropischen Ländern zum Besten gaben. Wobei zum Besten auch die   Episode gehörte, die die Auswahl der Reiseziele beschreibt : auf einer plastikbeschichteten Weltkarte markiert ein Mohrenkuß    den Ort Gelsenkirchen. Nachdem Schimanek die Faust auf ihn hat niedersausen lassen, entnimmt er der Plazierung der Sprit-  zer seine Reiseziele. Kommentiert wurde die Lesung von den Darbietungen des Tänzers Rolf Gildenast, der als Alter Ego des    Erzählers von der sadistischen Grausamkeit des Vaters und dem frömmelnden Aberglauben der Mutter zunehmend in die Enge getrieben, zu einem krampfenden und zuckenden Wesen wurde, zum Schluß wortwörtlich von der eigenen Geschichte erwürdigt.

Der schwarze. Humor, der den Zuhörer zum Lachen brachte, entpuppte sich hier als pure Verzweiflung. Dichterlesung, Spiel,      Tanz und Design verbandend die Akteure in dieser Performance zu einer gelungenen Vorstellung.                                                                                                                                                                                           (Ute Baumann, Rheinische Post Kleve vom 14.4.1999)

zum Porträt und weiteren Texten von Jürgen Schimanek      [Foto : Pedro Malinowski]

                                   Das Gemetzel an Etzels Hof stand am Anfang                                                                                                     Die Nibelungensage aus besonderer Sicht

Sein Schwert ist ein starker Schürhaken, sein Gegner ein großes Blech, das zwischen Kulissengewichten                                        fest geklemmt ist. Es geht laut zu in "Netzwerk 4 : Ich war Hagen" im Opernfoyer : Rolf Gildenast drischt                                              auf das Blech ein, die Gewichte poltern durch die Gegend. Diesmal hat sich der Dichter-Tänzer weit zu-                                              rückgewandt und widmet sich dem Nibelungenlied.

Was ihn lockt, ist jedoch nicht die Rolle des Helden Siegfried; Gildenast reizt die Figur des Bösen : Hagen,                                       der Verräter, dem er jedoch heldischen Zuschnitt, gepaart mit höfischem Benimm, verleiht. Fein weiß die-                                         ser Höfling Kriemhild, die ängstliche Gattin Siegfrieds, zu umschmeicheln.  Sanft streichelt Gildenast die "Arme" eines Eisen-      gestells, flötet ihm seine Unterstützung ins Ohr und bekommt, wonach er giert : Er erfährt die Stelle, an der der Drachentöter ver- wundbar ist. König Gunter umkreist er wie ein Insekt, das er am Boden jederzeit zertreten könnte, dem er aber aus Kalkül einen gewissen Respekt erweist.

Wenn es ans Kämpfen geht, steht er stets in der ersten Reihe und scheut sich nicht, das lautstark publik zu machen. Wo eine    Furt ist? Hagen weiß es auch nicht, ist aber sicher, eine zu finden. Der Fährmann weigert sich überzusetzen und streitet mit         Hagen. Gildenast balanciert das Blech auf seinem Fuß und schlägt mit der anderen Hand so lange darauf ein, bis es fällt und    so den Überweg freimacht.

Gildenast arbeitet sich von hinten nach vorne vor. Er beginnt mit dem tödlichen Gemetzel am Hofe des Hunnenkönigs Etzel, das Kriemhild aus Rache anzettelt, und endet mit der Werbung Gunters um Brunhild und Siegfrieds um Kriemhild. So wird offenbar,  woraus das ganze Blutvergießen resultiert. Aus dem riesigen Sagenkreis hat Gildenast Schnittpunkte und treibende Kräfte           herausgenommen, die er vorspielt, geschickt in Bewegung umgesetzt. Kein üblicher Theaterabend, denn dafür fehlt ein Dialog- partner, aber ein poetisches Epos in moderner Sprache.                                                                                                                                                                                                                                                         (Tanja Heil, Westdeutsche Zeitung Wuppertal vom 17.2.2000)

Foto 'Ich war Hagen' von Pedro Malinowski
Foto 'Vom Bauer und den Göttern' von                           Norbert Duwe/Nordsee-Zeitung

                             Wenn aus der Tanzpose ein Stechschritt wird                                                                                                            Satireprogramm mit Rolf Gildenast

Rolf Gildenast fügt seiner schier unendlichen Kette von ungewöhnlichen Solo-Nummern einen neuen                                                Auftritt hinzu: "Sehen wir so aus" (so der frühere Titel, Anm. R.G.) heißen die satirisch entlarvenden Sze-                                            nen des Tänzers. Uraufführung im Foyer des Musiktheaters.

In diesem politisch gesprenkelten Kaleidoskop nimmt der Gelsenkirchener u.a. unter die ironische und                                           kritische Lupe: Frieden schaffen mit Waffen, wobei er die neue Rolle Deutschlands in der Welt ebenso                                             spiegelt wie den Afghanistan-Konflikt nebst Folgen, die gefährliche Nähe zwischen faschistischem Volks-                                         denken und Fußballritualen, das Klonen von Genen, Neonazis (wobei er sich an der Vorsilbe Neo stößt) und die Rolle von           (Ver-)Führern. Da ist Hitler als "Heiler" nicht weit.

Gildenasts Zwei-Stunden-Marathon zeigt sich originell und originär, wenn er seine individuellen Vorteile als Tänzer und als          Wortkünstler ausnutzt. Wie aus einem Ballettstep ein Stechschritt wird, wenn er Liedgut der Fans aus den Stadien als Gesin-     nungsrichtung auch mit der Körperhaltung entlarvt, wenn er eine Mülltonne für den Klischeeschrott des Alltags in einen Solda-     tensarg umfunktioniert, wenn er Tierlaute als Verlust von Natur nachahmt, wenn er den ehelichen Seitensprung als Sprung zur  Seite "spielt". Gildenast ist ein ungemein wacher, intelligenter Zeitgenosse. Man hört und sieht ihm gern zu. Es gab viel Beifall!                                                                                                                                                                    (WAZ Gelsenkirchen vom 22.12.2001)

Die Programmpunkte von G.G.&G. mit R.G. im Einzelnen : Gegen Gewalt mach'se nix !? - Steh auf... (Volksliedgut); Frieden schaffen mit W-affen !? - Eenimeenimänimo... (Grüße vom Obererbsensuppenminister); Glaube an (m)einen Gott !? - aus einem Gespräch mit Papsi; Ver- oder Entsorgung !? - Fuffzehn Minuten Pause; Rot oder weiß !? - Indianische Romanzen; Klonen für den menschliche Fort-schritt !? - Ehe, Einsamgläser und andere Ergüsse; Völkische Hochschule - Neonazis und Altgriechisch; "Das Programm dauert ca. 1 ¾  Stunden. Falls Sie dann noch etwas sagen können oder wollen, dürfen Sie das, aber bitte geben Sie mir  kurz die Gelegenheit, die Unterwäsche zu wechseln und mich – Sie wissen schon für was - frisch zu machen."

Foto 'Zum Verrecken' von Pedro Malinowski
'Götter, Gräber & Gewehre'                                                     [Foto : privat]

                                       Xylos und Petros - Getanzte Poesie                                                                                                             Holz und Fels : auf der Reise zum Regenbogen

Die Texte des Holzschneiders und Autors Heinz Stein haben den Tänzer und Choreografen Rolf Gildenast                                           zu der Inszenierung "XyIos und Petros" inspiriert, in der es die Phantasie ist, die die Hauptrolle spielt. Aus                                            den Mosaiksteinchen vieler Gedichte und Aphorismen von H.Stein schuf Gildenast ein Bühnenstück, das                                            verschiedene Stand- und Wendepunkte des menschlichen Daseins aufzeigt. So entstehen zwischen den                                            beiden Protagonisten Körperbilder und Wortgeflechte über die Themen Liebe und Tod, Entstehen und                                                  Vergehen, Verstehen und Verändern : Poetophilosophische Szenen, die nachdenklich,  aber auch heiter                                                und versöhnlich stimmen.

Es war getanzte Poesie, was die beiden Gelsenkirchener Künstler dem Publikum darboten. Zu Beginn riefen sie die Musen an, die ihren Weg begleiten sollten. "Ich will nicht alles. Ich will mehr !" - dies das Motto, unter dem die Gegenpole heftig miteinander rangen: der Alte und der Junge - der Vater und der Sohn - die Erfahrung und die Entdeckungslust - die Resignation und die Hoffnung.

Heinz Stein, in der Rolle des gereiften, dennoch unbeholfenen Schwarzsehers, des Melancholikers, der einen Ausweg aus seinen Denkfesseln sucht, aber dennoch nicht aus seiner Haut kann, fordert Rolf Gildenast. den springenden, feurigen Visionär, immer aufs Neue : "Und wenn alles gesagt ist, was bleibt dann noch ?" - "Es bleibt das Weitergehen." - "Holz schwimmt an der Oberfläche, doch der Stein geht unter." - "Er taucht auf den Grund der Dinge."

Zwischen Gildenast und Stein entwickelte sich ein reiches Beziehungsgeflecht : eine Synthese aus Wort, Raum, Musik, Bewe-      gung, Licht, Körper und Geist. Zu einer von zarten Klängen begleiteten Performance wanderten die beiden in einer neunteiligen     Szenenfolge durch Natur und Musenhöhlen, Ich-Landschaften und die Fragenfelder der Liebe, durch die Sehnsuchts-Auen der        Erneuerung und Orte der Kindheit. Auf der Suche nach dem ICH müsse man ungewöhnliche Wege beschreiten, hieß es bezie- hungsreich im Wechselspiel von Traum und Realität. Eine gelungene Erinnerung an das, was unser Menschsein ausmacht : der ewige innere Widerstreit - in der Hoffnung, die Leere zu füllen.                                                                                          (Valkyria/ 1.2001)

                       Wenn das Leben selbst als Bühne genommen wird                                                                                                     Eine literarische Soloperformance

Eine Lesung der besonderen Art nennt Rolf Gildenast sein Soloprogramm aus Gedichten und Ge-                                schichten. "Durch Wachsen" heißt es für den Solotänzer. "Wörter Bewegen Körper Sprechen Laut                                Werden Bilder" ist der weitere Untertitel der Performance aus Tanz, Schauspiel und Dichtung.

Im Forum Maximum lud die Zentralbibliothek zur Premiere von Rolf Gildenast, dessen freie Arbeiten                              im Ruhrgebiet seit Jahren geschätzt werden. Schon im ständigen Monolog zum Publikum durch-                                   brach Gildenast, indem er Worte ganz genau nahm, und durch Wortspiele die üblichen Grenzen zwischen Künstler und Publikum.

Mit seiner Mischung aus fiktiver und authentischer Autobiographie des Künstlers befand er sich schwebend im "Dialog    mit sich selbst". Der Zuschauer in der Rolle des Voyeurs konnte sich einschalten, nachhaken und bei Unklarheiten um   Wiederholung bitten. "Meine Welt und Ich" war Gildenast's Motto, als er zu Beginn sein Programm erklärte. Erwartungs- haltung und Spielregeln rankten dabei um die gemeinsame Auseinandersetzung. Anhand von Elementen wie Feuer, Wasser, Luft und Erde erklärte und entwickelte er seine ganz persönlichen und philosophischen Betrachtungsweisen : "Alles eine Frage der Fantasie."

Was am Anfang fern und zu individuell erschien, war im Verlauf des fast 100-minütigen Programms dann eine kurz-        weilige Auseinandersetzung. Ob als jugendlicher Luftgitarrenspieler oder als Faustrezitator, alles gelang ihm spielerisch  leicht. Eine gelungene Perspektive, eine authentische Sicht aus einer Welt, die keine Bühne braucht, sondern das        Leben selbst als Bühne nimmt.                                                                                                                                                                                                     (Wolfgang Rosenbaum, Westdeutsche Zeitung Wuppertal vom 12.4.1999

Unter Schreibwerk finden Sie Informationen über meine Veröffentlichungen sowie eine weitere Lesung der besonderen  Art, die sich dem Thema Tanz widmet : Tanzgedichte - Worüber einer schreibt, wenn er schreibt, wenn er tanzt.

 

Jetzt geht's los

Foto aus 'Xylos&Petros' von Martin Möller

                                                           ... Nichts                                                                                                  

Nomen scheint Omen zu sein für dieses Stück. Trotz Aufführungen am Musiktheater in Gelsenkirchen,                                                im Opernhaus Wuppertal und mehreren Auftritten 'vor Ort' in Schulen in der Reihe Kraftwerk - Theater für                                            Jugendliche bleibt Aus dem Nichts als einziges der Programme des theatergildenast 'unbefleckt' von                                               Rezensionen.

"Schließlich geht es nicht darum, irgendwelche Schrittkombinationen zu erfinden, sondern um die Um-                                              setzung einer inneren in eine äußere Welt. Um die Fähigkeit, in eine Bewegung soviel Energie einfließen                                         zu lassen, daß sie das Publikum auch erreicht." (Boris Eifman)

In diesem Sinne begeben sich Günther Holtmann (Ex-Gitarrist von u.a Cochise, Philip Boa & The Voodoo Club sowie unzählige  Theater- und Filmproduktionen, Digital Soundarrangments für das Ballett Schindowski in Gelsenkirchen, Klanginstallationen in  diversen Museen und und... ) und Rolf Gildenast in drei verschiedenen Sets auf die Reise :

CURRENT                 Engl. I. adj. laufend, gegenwärtig, jetzig, aktuell; II. s. Strömung, Strom, Verlauf, Gang

FOUR ELEMENTS   Erde, Wasser, Feuer, Luft

TGUNAT                   Die indianische Legende vom Lachs (Text und Choreografie: Rolf Gildenast; nach einer Sage der Quinault-                                      lndianer)

So "Let's turn on the juice and see what shakes loose. Gas geben und sehen, was abgeht.", wie die Improvisierer zu sagen pfle- gen. Denn "Nur die Improvisation hält Performer und Publikum gleicher- maßen im Fegefeuer der Bühne. Sie ist der Augenblick im Theater, der suggeriert, daß alles neu beginnen könnte." (Helmut Ploebst)

 

Geheimnis

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                                                     Ein Mysterium bleibt

Kein Solotänzer einer deutschen Ballettcompanie dürfte so interdisziplinär arbeiten wie der Gelsenkirche-                                        ner Rolf Gildenast. Seine neue Uraufführung im Musiktheater nennt das Mitglied des Balletts Schindowski                                         "Durch Wachsen".

Vieldeutig ist der Titel, verblüffend das Konzept der Performance. Gildenast mischt Tanz, Pantomime, Lit-                                          eratur, Musik, Rezitation und Interaktion mit dem Publikum zu einer  eigenwilligen Handschrift. Durch                                                  Wachsen wird ein Kind zum Mann, durch Wachsen gelangt der Einzelne zur Reife, durchwachsen kann                                             sich aber auch auf Themen und Stile beziehen. Und auf deren Mixtur.

In dem neuen Stück, Teil eines achtteiligen Zyklus' "Netzwerk" in Gelsenkirchen und Wuppertal, greift Gildenast ausschließlich   auf eigene Texte zurück. Es handelt sich um Hör-Bilder und Seh-Szenarien, die aus biografischen Eckdaten entwickelt werden.   "Wir sind im Theater : alles ist Spiel" zählt ebenso zu den Verständnissätzen wie "Ich arbeite Kunst" - ein Künstler öffnet sich in   Lyrik und Prosa, die zwischen Dada und Surrealismus angesiedelt sind, um das Auditorium für die Sache der Kunst zu gewin-   nen.

Die Requisite, ein Stuhl, ein Besen, wird zum Symbol, die Bühne zum Ort eines Rituals für die Selbstfindung, die am das Publi- kum übergreift. Gildenast spricht, tanzt, summt, singt, schluchzt über Alltag und Kunst, über Banalität und Ideal.

Wie in früheren Solo-Duo-Programmen ("Xylos & Petros", "Vom Kind das fiel" oder "Zum Verrecken" u.a.) wird bei Gildenast nicht alles erklärt. "Ein Mysterium muss bleiben", sagt er. Seine Stücke sind sinnlich- geistigeAbenteuer.

                                                                                                       (Hans-Jörg Loskill, Westdeutsche Allgemeine Zeitung vom 22.3.2000)

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                                         Villon mit Wahn und Erkenntnis                                                                                       Rolf Gildenast präsentiert expressionistisch Gedichte im Heinrich-von-Veldeke-Kreis

Wie ein sterbendes Tier wälzte sich der in Lumpen gehüllte Rolf Gildenast bei seinem Literaturabend                                                "Zum Verrecken" mit Gedichten von Villon, Rimbaud, Wecker und Brecht aus dem schwarzen Vorhang auf                                          die Bühne, kroch unter einen der Stühle in der ersten Reihe und verkündete mit Kindesstimme: "Hallo, ich                                        bin da."

Erschreckend und nahezu schizophren wirkt das Spiel des ausgebildeten Choreographen und Sprechers                                        zunächst. Spätestens beim schmatzenden Aufsagen des Gedichts "Die Käfer" von Konstantin Wecker war Beklommenheit auf den Gesichtern des Publikums zu erkennen. Ausgelöst auch durch die Rahmenhandlung, in der ein vereinsamtes Waisenkind mit seiner toten Mutter redet und allmählich deutlich wird, dass es die Käfer aus Hunger und Armut essen muss. Schrei wech- selt sich mit Stille ab, der verzweifelte Monolog des Kindes mit den Obszönitäten eines Erwachsenen, Tanz mit Reglosigkeit.

Gerade diese Unvorhersehbarkeit führt dazu, dass einen Gildenasts lebendiges Spiel ergreift und nicht mehr loslässt. Neben der Interpretation der Gedichte und der expliziten Gesellschafts-Kritik gab es aber auch lockere Szenen und feine Ironie: wenn Gildenast wie ein heruntergekommener Schlagerstar mit imaginärem Mikro von "angefetteten Bären" singt und sich dabei im Kreis dreht oder als ein an die Moral appellierendes Gedicht vom Summen der amerikanischen Nationalhymne abgelöst wird.

Dadurch, dass die einzelnen Gedichte collagiert, miteinander verwoben und in die Rahmenhandlung des trauernden Kindes eingebettet wurden, wirkte es wie ein einziger Text. Und sein künstlerisches Motto, "der Körper weiß mehr, als der Kopf denken kann", setzte er  so voller Energie um, dass ein Kollaps auf der Bühne wohl nicht überrascht hätte, wurde das Spiel doch immer facettenreicher und abgedrehter.

"Erkenntnis heiß ich, was für euch nur Wahn." Das Stück wirkte authentisch und fast unnahbar, weil immer wieder Textpassagen auf die Gesellschaft, die Kunst und die Kritik selbst anspielten. "Das Tolle an der Kunst ist, dass man sich den Schuh anziehen kann oder nicht", meint der Künstler nach der Aufführung. Das Publikum jedenfalls war nicht überfordert, der Applaus lang anhaltend.                                                                                               (Lena Verfürth, Rheinische Post Am Niederrhein vom 19.3.2003)

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Tänzer einer Ausstellung

                             Rolf Gildenast als „Tänzer einer Ausstellung"                                                                                                        Aktion in der Rheinelbe-Kunststation

Was geschieht, wenn ein Tänzer auf die Werke von bildenden Künstlern trifft und mit ihnen kommu-                               niziert? Das erforschte Rolf Gildenast auf faszinierende Art in seinem neuen Stück "Tänzer einer                                  Ausstellung". Das Solo des Tänzers, Choreographen und Schauspielers hatte seine Premiere in der                             Kunststation Rheinelbe, dem Atelier des Künstlerehepaars Bemd und Marion Mauß.

Das Programm bestand aus zwei Stücken, die eigenständig waren und sich doch ergänzten: "Allein                             unter Torsi oder Wo getanzt wird fallen Späne" drehte sich um die Holzstücke von Bernd Mauß, bei "Herr Drinnen ist      draußen" bediente er sich verschiedener Kunstobjekte seiner Frau Marion.

Gildenast tritt in Dialog mit den Werken. Zu Beginn stolpert er über vier Torsi und beginnt, mit ihnen zu spielen – im       Wortsinn. Bei ihm werden Skulpturen lebendig, gewinnen einen eigenen Charakter, so dass der Tänzer interagieren       kann. In der Szene "(Damals) im Urwald" stellt Gildenast Affe, Schlange, Specht im Naturzusammenleben mit Bäumen  dar, bevor er als Holzfäller mit der Kettensäge kommt: die Lebensgeschichte eines Torsos als umweltpolitische Mani-     festation. Es gibt auch einen klassischen "Pas-de-deux", nur dass im "normalen" Ballett die Tanzpartnerin nicht stock-   steif und hölzern ist! Auch der Humor kommt nicht zu kurz, wenn Gildenast die Torsi fragt, wer sie so verstümmelt hat.

Nach der Pause setzt Gildenast zu groovenden Rhythmen und modernem Tanzvokabular Objekte von Marion Mauß aus Mülltüten, Metall, Wachs, Harz ein, um assoziative, stark abstrahierte Bilder zu schaffen.                                            Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.                                                                                                                                                                                                                       (Mario Stork, WAZ/ Gelsenkirchen vom 7.6.2006)

Noch vier Fotos gibt's und auch wie Jugendliche auf dieses Programm reagiert haben.

 

Bilder eines Tänzers einer Ausstellung

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theatergildenast                           r.g. solo & friends

 

Foto  'Herr Drinnen ist draußen'                                               von der Foto AG der HS Am Dahlbusch
Foto  'Schwer gezeichnet'                                                       von Dieter Grundmann
Foto 'Artistenfamilie'                                                                von Dieter Grundmann
Foto  'Sehnsucht nach der blauen Frau'                               von Dieter Grundmann
Foto aus 'Aus dem Nichts' von Pedro Malinowski
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Nizami - Die Geschichte von der unerfüllten Liebe

                                         Persiens Literatur in Liebe und Leid                                                                                    Ein Märchen getanzt, gelesen, musikalisch gedeutet : „Nizami" im Consol Theater

Tanz mit Märchen ? Orientalistik mit Musik ? Lesung mit Theater ? Die Uraufführung von Rolf Gilden-                            ast (Tanzperformance), Ursula (Text) und Heinz-Albert Heindrichs (Musik) mischte auf der Bühne des                           Consol Theaters die Ebenen dieser „Geschichte von der unerfüllten Liebe", die der persische Dichter                              Nizami-meddin abu Mohammes Iljas ibn Jusof vor über 800 Jahren schrieb.

Abgesehen von den ornamentreichen Beschreibungen der Begegnungen und Liebeswünsche von König Behram, der das Geheimnis der „Stadt der Schwarzgewandeten" lüften will und dabei die amourösen Kontakte genießt, will das Trio den  Blick lenken auf eine jahrhundertealte Erzähl- und Literaturtradition. Erst in jüngster Zeit erleben wir (wieder) einen bitter- böse geführten Religionskrieg.                                                                                                                                  Damals, im 12. Jahrhundert, galt die blumig-ausschweifende Sprache vielen europäischen Literaten und deren späteren   Generationen als vorbildlich und modellhaft. Goethe bekundet in seinem „West-östlichen Diwan" tiefes Interesse an         diesem Brückenschlag der Kulturen und Religionen.

Unter dem roten Zeltdach - die Hitze der Nacht und des Tages, die in dem erotischen Märchen besungen wird, deutet    sich in diesem Symbolbild an - entsteht ein gedanklicher Ausflug in die Vor-Zeit. Man liebt, leidet, trauert mit dem welt-   offenen König, der Prüfungen durchläuft. Mozarts Freimaurer-„Zauberflöte" lässt grüßen. Ursula Heindrichs liest mit         sanfter Stimme, ihr Mann überträgt das Geschehen auf E-Piano-Akkorde, Rolf Gildenast tanzt asketisch.                                                                                                                                             (WAZ/ Gelsenkirchen vom 13.11..2006)

Anmerkung : Der Rezensent verpasste durch seine kurze Anwesenheit den Tee aus dem Samowar, dazu die Süßigkeiten und danach die Orchideen, die ‚König Behram' seinen ausgesuchten Schenkinnen schenkte, genauso wie den minuten- langen Applaus. Unerwähnt blieb leider auch die          Shiaroma-Wellnessfarm unter Leitung von Marcel Boese, die das gesamte Theater in orientalische Düfte tauchte (Rosenwasser, Sandelholz, Vanille,Zimt etc.).

Jung geblieben wär'n wir gerne – älter zeigt der Spiegel uns. Irgendwie ein Kind zu bleiben, zählt zu weiser Kinder Kunst.                                                                                                                                                         Rolf Gildenast

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