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Seine Choreographien lassen den Tanz hören und die Musik sehen.                                         über George Balanchine

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                               Anarchischer Entertainer sorgt für derbe Scherze

Zum Happening wuchs sich das Jugendkonzert gestern im Großen Haus des Musiktheaters aus, bei                               dem die Neue Philharmonie unter Leitung von Johannes Wildner die sinfonische Dichtung "Till Eulen-                                spiegels lustige Streiche" von Richard Strauss aufführte.

Für den Trubel sorgte Rolf Gildenast, der sich zunächst als Hochschuldozent gelehrt über Till Eulen-                         spiegel verbreitete und danach als Strippen ziehender Bühnenarbeiter die Orchesterprobe störte, um                   schließlich als Tänzer selbst zueinem anarchischen Entertainer zu werden, der auch vor derben                                Scherzen nicht zurückschreckte. So hockte sich Eulenspiegel Gildenast über einen Nachttopf und zeigte sein halb entblößtes Hinterteil.

Auch Roland Vesper, der als Moderator die Musik erklärte, büßte im Laufe dieses ungewöhnlichen Konzerts Hemd und Hose ein und musste in Unterhosen das Weite suchen. Am Ende überschüttete er seinen Kontrahenten mit einem Eimer Wasser, als der eine Till-Eulenspiegel-Fahne in Brand setzte.

Angesichts dieses Tohuwabohus war es erstaunlich; dass Musiker und Dirigent nicht den Faden verloren und das Orchesterscherzo, geschrieben "nach alter Schelmenweise in Rondeau-Form", ohne sichtbare nervliche Zerrüttung zur Aufführung brachten.                                                                                                                                                                                                                                                                              (Buersche Zeitung vom 17.2.2004)

                                         Einmal richtig lachen im Konzertsaal

...  Übrigens : Till Eulenspiegels Streiche gehen übel für ihn aus. Er wird aufgeknüpft. Das verschweigt der Komponist dem Hörer nicht - und Gildenast wird es auch nicht tun.                                                (Ruhrnachrichten vom 7.2.2004)

                                           Wilder Faun jagt durchs Orchester

Und nach dem Debussy ein Bussi für den Mann am Pult: Ein wilder Faun wirbelte gestern Nach-                                    mittag beim Kinderkonzert im Ruhrfestspielhaus quer durchs Orchester und sorgte im Parkett für                                   jede Menge Spaß. Das dritte Konzert für kleine Leute wurde seinem Titel "Fun mit Faun" wahrlich                                  gerecht. Rolf Gildenast, Solotänzer, gab den wilden Mann und machte so die Noten hörbar.

Unter der Leitung von Johannes Wildner spielte die Neue Philharmonie Westfalen Claude Debussys                           Werk "Nachittag eintes Fauns" - so gut es ging. Denn der Faun mischte mit seinen Tänzen das Or-                               chester ganz schön auf, jagte durch die Instrumentengruppen, wirbelte die Notenblätter auf und parlierte mit dem Dirigenten. Super!                                                                                               (WAZ Recklinghausen vom 7.3.2002)

                                                 Moderator fiel in Ohnmacht

Tradierte Konzertformen brachen im jüngsten Kinderkonzert der Neuen Philharmonie Westfalen der Tänzer Rolf Gildenast und Jugenddramaturg Roland Vesper als Moderator auf. Gildenast gesellte sich in Lederhosen dazu und nannte die Musik ganz schrecklich. Er mischte sich ins Dirigat vvon Helmut Imig ein, drängt den Violinsolisten Alexandre da Costa zu virtuoser Hast, stahl einigen Musikern die Noten und trieb mit ihnen weiteren Schabernack. Vesper fiel über diese Machenschaften in Ohnmacht.

Versuche der Wiederbelebung schlugen fehl, bis Tochter Alma Gildenast aus dem Bühnenboden auftauchte, Vesper aus seiner Starre erlöste und ihren Vater, den Strolch, zielsicher mit dem passenden Pas de deux in Richtung Barock und Impressionismus lenkte. Diese Botschaft wurde vom aufmerksam zuhörenden Auditorium verstanden und dankbar angenommen. 50 in Workshops vorbereitete Kinder der Grundschulen Albert-Schweizer-Straße, Coesfelder Straße und Grillostraße wurden am Ende in eine tänzerisch gestische Umsetzung der Vivaldi-Musik einbezogen. Beeindruckend, wie punktgenau Gildenast die wuselige Gruppe steuerte und ihr einen handlungsorientierten Zugang zur Musik verschaffte.                                                                                                                                   (Buersche Zeitung vom 11.3.2002)

Guten Morgen, meine sehr verehrten Damen und Herren ! Ich begrüße Sie recht herzlich zur sinfoni-                            schen Dichtung ‚Till Eulenspiegel' von Richard Strauss. Mein Name ist Jochen Werner und ich bin                          Dozent an der germanistischen Fakultät der Universität Kaiserslautern, Fachgebiet spätmittelalterli-                             chen Volksbücher und man hat mich gebeten, Ihnen etwas über Till Eulenspiegel zu erzählen.

Tatsächlich gibt es ein Buch aus dem Jahre 1515, in dem in 96 Historien sein Leben geschildert wird.                           Till soll zu Kneitlingen am Elm, Anfang des 14.Jh. und im Verlaufe seines Lebens im gesamten                       deutschsprachigen Gebiet und vielleicht noch darüber hinaus sein spaßvogelhaftes Unwesen getrie-                             ben haben. Weiter wird berichtet, er sei zu Mölln in Schleswig-Holstein im Jahre 1350 nach schwerer                              Krankheit gestorben; dort findet man auch einen Grabstein, allerdings erst seit dem 16. Jh.

Hermann Bote, der Verfasser des Buches schrieb an den Geschichten von 1500-1515. Also liegen 200 Jahre zwischen dem angeblichen Leben Eulenspiegels und dem Aufschreiben seiner Streiche. Ob es Till Eulenspiegel also je gegeben hat oder nicht – eigentlich ist es egal. Auf jeden Fall waren seine Geschichten im Mittelalter, also vor ca. 500 Jahren und darüber hinaus in aller Munde und galten als geniale Satire, als sich lustig machen über menschliche Unzulänglichkeiten oder Scheinheiligkeiten, bei denen ein jeder, vom Fürst bis zum Bauern, vom Pfarrer bis zum Bäcker sein Fett weg bekam.

Nomen est omen : Eulenspiegel ! Die zumindest damals weitaus beliebteste und bekannteste Namensdeutung hat mein Kollege Jeep aufgeschlüsselt : ‚Ul'n spegel' = fege den Spiegel (Spiegel im Sinne der Jägersprache = Hinterteil um den After von Hirschen und Gemsen). Eulenspiegels Bestimmung oder Slogan lautete also ‚Fege den Spiegel' oder salopper gesagt ‚Leck mich am Arsch'. Nun waren Ausdrucksweise und Verhalten im Mittelalter eh derber und unflätiger.Einer der Streiche Eulenspiegels endete z.B. damit, dass er einem Apotheker die Apotheke vollschiss. Dieser hatte ihm absichtlich statt der Medizin ein äußerst scharfes Abführmittel verabreicht. Als Till dies merkte, kehrte er zurück und verrichtete mit den Worten : ‚Hier kam die Arznei her, hier muss sie wieder hin.' sein nicht kleines Geschäft. Nun denn, aus all dem vermögen Sie sicherlich schon zu ersehen, dass es sich bei der Figur des Narren Till Eulenspiegel um mehr handelt als die netten Anekdötchen, die Sie vielleicht noch aus den Kinderbüchern kennen.

Nachmittag eines Strolchs  ist ein getanztes Konzert von und mit Rolf Gildenast als Strolch,                                  einem Kind als ‚gute Seele' sowie einem Dirigenten, einem Moderator und natürlich einem Orchester                                   zu Antonio Vivaldi (‚Die vier Jahreszeiten') und Claude Debussy (‚L'apres-midi d'un faun').

Prolog - Frühling 1. Satz an : Rolf unterbricht mit lautstarkem :Aufhören, aufhören ! - Aber bitte, das                                   hier ist ein Konzert mit Musik des hochberühmten Signore Antonio Vivaldi ! – Vi-wat ? Es entspinnt                                   sich ein Dialog, wat Rolf von klassischer Musik hält, zu der man bestimmt nicht tanzen kann.

1) Frühling 1. Satz (Erster Streit) : Rolf mag die Musik überhaupt nicht, ist tänzerisch wütend, ver-                                     scheucht den Dirigenten und übernimmt selbst die Leitung, d.h. er treibt den Solisten bei dessen                                        Solo zu immer schnellerem Tempo an, bis der Moderator Rolf an den Ohren zieht und siehe Bild.

2) Winter 1. Satz (Zweiter Streit) : Rolf ist nun vollends sauer, wirft übermütig einige Partituren in die Luft und... es setzt eine wilde Verfolgungsjagd durchs Orchester ein, an deren Ende der Moderator erschöpft zusammenbricht.

3) Sommer 2. Satz (Verlegener Tänzer) : Rolf bekommt Skrupel, da der sich nicht mehr zu rühren scheint.

4) Sommer 3. Satz (Wütende Musiker) : Rolf bittet tanzend um Vergebung, aber der Solist scheucht ihn durch die Gegend.  

5) Herbst 2. Satz (Kondolenzmarsch) : Rolf tanzt gebrochen und die ‚restlichen' Debussy-Musiker kondolieren am Moderator vorbei auf ihre Plätze. Der letzten Vier decken ihn mit einem gelben Seidentuch zu. Darunter befindet sich das Kind.

6) 'L'apres-midi d'un faun' (Des Strolches Zähmung) : Strolch und Kind freunden sich an; es erweckt mit magischen Bewe-  gungen den Moderator zu neuem Leben erweckt.

7) Frühling 3. Satz (Versöhnung) Rolf zeigt einen lustigen Freudentanz und reicht dem Dirgenten die Hand. Hey, tolle Musik alter Kumpel. Kann man echt gut drauf tanzen. Dürfen die Kinder auch mal mittun. – Aber natürlich.

Kontaktadresse                                                                      [Musikwerkstatt-Foto : Mrosek/WAZ]

7) Frühling 3. Satz (Versöhnung) : Rolf zeigt einen lustigen Freuden- tanz und reicht dem Dirgenten die Hand. Hey, tolle Musik, alter Kum- pel. Kann man echt gut drauf tanzen. Dürfen die Kinder auch mal mittun. – Aber natürlich.

8) Herbst 3. Satz (Sammelaktion) : Rolf springt in den Zuschauerraum und sammelt mitmachwillige Kinder.

9) Herbst 1. Satz (Tanz der Kinder) : Rolf tanzt zusammen mit ihnen, wird übermütig und foppt den  Moderator aufs Neue. Abermals bereinigt das Kind die Situation.

10) Winter 2. Satz (Pas-de-deux) : Im Kreise der auf dem Boden sitzen- den Kinder zwischen Rolf und seiner gute Fee.

11) Frühling 1. Satz (Coda) : Rolf wieder mit den Kindern, dann dem Solisten und dem Moderator... und Applaus für alle.

Foto von Thomas Gödde/WAZ; Moderator : Roland Vesper

Eulenspiegel hielt der Welt auf seine Art einen Spiegel vor. Und genau diese Figur war es, die Richard Strauss zu seinem Musikstück inspirierte : Er wollte die Leute aufwecken aus ihrem bequemen Denken und spießbürgerlichen Leben. Und wie haben die Leute damals, 1895, bei der Uraufführung reagiert ? Sie waren empört und schmissen – gar nicht die feine Art – mit Tomaten und faulen Eiern. Für uns mag diese Aufregung damals nicht ganz verständlich sein, hört es sich doch wie ‚ganz normale' klassische Musik an.

Aber natürlich gibt  es auch in der klassischen Musik große Unterschiede und natürlich sind auch die Geschmäcker verschieden. Man würde ja schließlich auch nicht  Hip-Hop-Musik, Musik von Britney Spears und Téchno-Musik als dasselbe bezeichnen, nur weil es sich um heutige Musikformen handelt.

Ich bedanke mich vorerst für Ihre Aufmerksamkeit und wünsche Ihnen nun viel Spaß mit Richard Strauss und Till Eulenspiegel.

Kruse/WAZ
Fotos von
Reiner
Foto von Ludger Konopka/Ruhrnachrichten

Orchesterwerk  bezeichnet die Zusammenarbeit von Rolf Gildenast mit der Neuen Philharmonie                                                              Westfalen*, die bisher in ein Konzert für Kinder unter dem Titel 'Nachmittag                                                                    eines Strolchs' (Premiere 7.3.2002) sowie der  Bearbeitung von 'Till Eulenspie-                                                              gel' für Jugendliche (11.2.2004) mündete.

Ausgangspunkt der gemeinsamen Aktivitäten, die auch vorbereitenden Besuche 'vor Ort' in den                                    Schulen ('Musikwerkstätten') einschloss, war das Bemühen, klassische Musik über den üblichen                                 Konzertrahmen mit meist erläuternden Einführungen oder Einschüben hinaus sichtbar, erleb- und                                  erfahrbar zu machen.Zu zeigen wie wortwörtlich bewegend Musik sein,  ja dass man sogar dazu tanzen bzw. damit auch seinen Spökes treiben, Spaß haben kann.

Dabei kann man dem Original folgen und Till Eulenspiegels Streiche plastisch nachspielen bzw. eine adäquate heutige Entsprechung suchen oder dem Grundgefühl einer Musik nach spüren und es in eine eigene Story einbinden. Wie fühlt sich der 3.Satz 'Sommer' von Vivaldi an : Presto; 'Donner und Blitze und Hagelschauer/ vernichten Lavendel und    Getreide'. Das ist Kraft, vielleicht Wut - und im Ablauf des 'Nachmittag eines Strolchs' bekommt eben dieser Emotionen seitens des Orchesters zu spüren und reagiert dementsprechend tänzerisch darauf.

Wie bei den Programmen für Kinder Spielwerk bis 6, Spielwerk ab 6 Usus, sind auch bei Vivaldi und Debussy           Mitmachaktionen eingebaut, die Kinder werden ins 'große' Spiel mit einbezogen.

Für die Jugendlichen (siehe auch Kraftwerk) stehen neben dem Spaß am Zuschauhören Hintergrundinfos im Vorder-      grund, verpackt z.B. in die Rede des selbsternannten Dozenten an der germanistischen Fakultät der Universität             Kaiserslautern Jochen Werner.

* natürlich auch mit anderen Orchestern oder anderen Stücken möglich. Platzbedarf : Hochgefahrener Orchestergraben.

Orchesterwerk

simple                                                       expressive                                                       beautiful